Wohnen im Boho Style

Der unperfekte Look

Schlafzimmer im orangen Boho Stil
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Boho ist als Einrichtungstrend derzeit in aller Munde. Doch was steckt eigentlich hinter diesem schillernden Durcheinander? Und warum setzt sich dieser recht eigenwillige Stil, der mit seinen bunten Farben und Mustern die Langeweile aus jeder Wohnung vertreibt, mehr und mehr in unserem eigenen Zuhause durch? Die spannenden Antworten auf all diese Fragen finden sich in den aktuellen sowie auch historischen Entwicklungen innerhalb unseres Lebensraums.

Neue Kulturen entdecken

Der eigene Wohnstil richtet sich meist nach dem persönlichen Geschmack. Dennoch haben Trendforscher bereits vor langer Zeit herausgefunden, dass die Art und Weise wie wir uns einrichten auch von grundlegenden gesellschaftlichen Entwicklungen abhängt. Unterschiedliche Kulturen schaffen Gegensätze, die sich immer stärker auch in unserem Wohnraum widerspiegeln. Dabei ist es völlig egal, ob wir diese Ideen während einer Urlaubsreise in ein exotisches Land gesammelt oder wir sie uns von Menschen aus einem anderen Kulturkreis, die sich mittlerweile bei uns heimisch fühlen, abgeschaut haben. Auf diese Weise vermischen wir in unseren eigenen vier Wänden unterschiedliche Stile und Materialien zu einem Ganzen. Bildlich gesprochen wird die Wohnung zu einer Collage unterschiedlicher Einrichtungsstile. Das gemeinsame Ziel ist jedoch eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, wozu wir gerne natürliche und authentische Materialien einsetzen.

Hängematten, Stoffe mit Blumenmustern und gewebte Wollstoffe sind Teile des Wohnstils Boho.
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Die Wurzeln des Boho-Stils

Der Begriff Boho ist eine Abkürzung, die sich von dem französischen Wort „Bohème“ ableitet und für die Subkultur intellektueller Randgruppen steht. Meist waren es Künstler, Dichter und Philosophen, die sich vor allem im 19. Jahrhundert und vorwiegend von Paris ausgehend gegen das steife (Spieß-)Bürgertum auflehnten. Ihr gemeinsames Ziel war es, ein anderes, freieres Leben zu entwickeln, was sie in ihren ungewöhnlichen Wohngemeinschaften zum Ausdruck brachten. Ein entsprechend farbenfroher Mix zeigte sich auch in der Einrichtung ihrer Künstlerateliers und Wohnhäuser. Und noch etwas faszinierte die Anhänger dieser Bewegung sehr: die enorme Lebensfreude, Naturliebe und Selbstgenügsamkeit der nomadischen Roma, die mit ihren bunten Wägen übers Land zogen und so ebenfalls durch das gesellschaftliche Raster dieser Zeit fielen. Weil diese überwiegend aus Böhmen stammten, war mit den „Bohemians“ schnell eine Umschreibung für diesen unkonventionellen Lebensstil gefunden. Die Hippie-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre mit ihren wilden Freigeistern entdeckte schließlich den Boho-Stil für sich, weil dieser perfekt zu ihren Vorstellungen von einem Leben fernab jeglicher Konventionen passte. Das erklärt, warum im Zusammenhang mit Boho auch oft das Wort Hippie-Style fällt. Beides umschreibt eine zwanglose Wohnform, in der alles erlaubt ist. Mit dieser Einrichtungsform möchte man sich gegen das cleane Hochglanzwohnen auflehnen und bewusst Dinge miteinander kombinieren, die für den „braven Bürger“ überhaupt nicht zusammenpassen.

Bunter Boho-Chic. Der farbenfrohe Wohnstil kommt aus der Hippie-Kultur.
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Natürliche Farbvielfalt

Das Boho-Wohnen lebt von seinen bunten Farbzusammenstellungen, wobei die Grundfarben eher erdige Töne – Beige, Braun oder diverse Grünschattierungen – darstellen. Dazu setzt man Akzente in weiteren Naturfarben, zum Beispiel Blau wie das Wasser, Grün wie das Gras oder Gelb wie Sonne. Noch wichtiger als die Farben sind bei diesem Einrichtungsstil aber die verschiedenen Muster unterschiedlicher Herkunft: Ethno, Folklore oder ein orientalischer Mix ­– erlaubt ist, was gefällt. Auch diverse Handarbeitstechniken wie Batik oder Patchwork sind äußerst beliebt. Dekoriert wird mit Kissen, Decken, Teppichen und Traumfängern, die am besten noch über dekorative Merkmale wie Fransen, Quasten, Ornamentaufdrucke oder Federn verfügen. Je mehr davon, umso besser.

Akzente in Naturfarben machen den Boho-Stil erdig und natürlich, mit Batik und Patchwork, Kissen, Decken und Traumfängern.
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Ein bunter Einrichtungsmix

Ein weiterer Fokus liegt auf Decke, Wand und Boden. Kaum verwunderlich also, das Blumenampeln und Wandteppiche derzeit ein Revival erleben und auch der gute alte Sitzpouf zu neuem Leben erweckt wird. Die große Schrankwand sucht man im Boho Chic vergeblich, denn hier kommen – abgesehen von Sofa oder Bett –  ausschließlich Kleinmöbel wie Tischchen, Hocker und Kommoden zum Einsatz. Ein absolutes Muss sind Möbelstücke und Accessoires aus Rattan oder Korb, und die ebenso gern verwendeten Materialien Holz, Leder und Samt unterstreichen die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb dieses nicht ganz alltäglichen Looks.

Blumenampeln, Wandteppiche, Sitzpouf und viele Kleinmöbel wie Tischchen, Hocker und Kommoden machen den Bohostil besonders lebendig.,
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